Jede Glühlampe ist auch ein gläsernes Kunstwerk. Selbst bei den maschinell gefertigten Lampen haben zu Beginn ihrer Entwicklung Ingenieure und Glasbläser Hand und Mund angelegt. Je komplizierter sie aufgebaut sind, umso neugieriger machen sie den Betrachter. In meiner Kindheit gehörte ich schon zum Kreis derer, die sich besonders für diese gläsernen Objekte interessierten, welche mehr oder weniger starkes Licht in verschiedenen Farben ausstrahlten. Schon im Kinderwagen spiegelte sich der blauweiße Glanz der Straßenlaternen in meinen Augen wieder und mein erstes gesprochenes Wort soll "Licht" gewesen sein. Im Alter von etwa neun Jahren begann ich mit dem Sammeln von elektrischen Lichtquellen. Einige fielen leider meinem experimentellen Tatendrang zum Opfer, da ich mich weder an die Warnungen meiner Mutter noch an die Gesetze der Elektrotechnik hielt. Meine besondere Aufmerksamkeit galt den Quecksilberdampflampen der Straßenbeleuchtung. Ich fand es überaus faszinierend, dass sie mehrere Minuten brauchten bis sie hell leuchteten und bis dahin Lichtfarben von rot über grün bis blauweiß erzeugten. Tagelang lief ich den Leiterfahrzeugen des städtischen Beleuchtungsbetriebes hinterher, um die Monteure solange zu quälen bis sie mir ausgewechselte aber noch funktionierende Lampen dieser Art bereitwillig überließen. Kaum zu Hause angekommen, wollte ich sie natürlich leuchten sehen, so wie sie es jahrelang jeden Abend getan hatten. Dazu kam es aber nicht. Bis auf ein kurzes Aufblitzen inklusive eines gläsernen Knirschens, verbunden mit dem Durchbrennen des Schmelzeinsatzes im Sicherungskasten, stellte sich kein Erfolg ein. Soweit ich mich erinnern kann, kamen mir nach dem Wechsel der dritten Sicherung Zweifel an meinen Ausführungen. Wenn jedes mal die Sicherung durchbrannte, musste der Strom also schlagartig ansteigen. Ich beschloss zur Strombegrenzung eine Glühlampe in Reihe mit der Quecksilberdampflampe zu schalten, wobei ich die Stärke der Glühlampe empirisch ermittelte. Eine Kombination aus 200W-Glühlampe und 80W-Quecksilberdampflampe erwies sich als brauchbar. Solche Experimente nahm ich im Alter von 13 Jahren vor, während andere Kinder Zeitungen auf den Fußabtretern ihrer Nachbarn anzündeten. Womit ich natürlich nicht sagen will, dass ich in meiner Kindheit keinen Blödsinn anstellte. Aber lassen wir das lieber. Ich begann meine Lehre als Elektromonteur in genau dem städtischen Beleuchtungsbetrieb, der mich früher schon so magisch anzog. Das Hinaufsteigen auf Drehleitern mit schlotternden Knien und der Umgang mit den so geliebten Entladungslampen gehörte genauso zur Ausbildung, wie das Erlernen von elektrotechnischen Grundregeln und Gesetzen. Nachdem ich diese Hürde genommen hatte, schloss ich eine weitere Ausbildung als Elektroniker ab. Trotzdem bin ich meinem Hobby bis heute treu geblieben, was mich in der Zwischenzeit in arge räumliche Bedrängnis bringt.

Manche Leute mögen der Meinung sein, ich würde Sondermüll sammeln und nüchtern betrachtet, haben sie sogar Recht damit. Die Sammelleidenschaft und Faszination für bestimmte Objekte ist es, die einen über solch nüchterne Betrachtungsweisen hinwegsehen lässt, egal ob man sich für Briefmarken, Modelleisenbahnen oder verschiedenste andere Dinge interessiert.

Das Internet ist ein ideales Medium um zu entdecken, dass es viel mehr Leute mit gleichen Interessen gibt, als man sich vorstellen kann. Freunde aus Deutschland, England und Tschechien, die ich über dieses Medium kennen gelernt habe, trugen dazu bei, neue Erfahrungen und sogar Lampen auszutauschen. Sie waren es auch, die mich zum Bau dieser Website inspirierten. In Zeiten von Spam, Viren, Würmern und Trojanern ist es schön zu erkennen, dass das Internet seinen Reiz als riesige Bibliothek zum Lernen und Spaßhaben nicht verloren hat.

Stefan Eichhorn, im Dezember 2003

Nach fünf Jahren des Bestehens dieser Seite und einem guten Jahr Pause an Aktualisierungen und Pflege, die ich aus privaten Gründen ruhen ließ, werde ich mich nun wieder häufiger mit Veränderungen an dieser Homepage zurückmelden. Es wird sich zumeist um Lichtquellen aus vergangenen Jahrzehnten handeln, die hier zu neuem Leben erweckt werden, denn das angekündigte Aussterben von Allgebrauchsglühlampen und ein künftiges Verbot von Quecksilberdampflampen bieten mir neuen Enthusiasmus für meine Arbeit an diesem Projekt. All jenen, die ich mit mangelnder Kontaktfreudigkeit oder Desinteresse an dieser Arbeit vielleicht etwas vor den Kopf gestoßen habe, will ich nun sagen: SORRY - I´M BACK!

Stefan Eichhorn, im September 2008